Hermannsdenkmal Monumental
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Chapter 1
Vision und Entstehung: Joseph Ernst von Bandel und das Hermannsdenkmal
Marius
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Denk:Mal! 150 Jahre Hermannsdenkmal“. Ich bin Marius, und heute nehmen wir euch mit auf eine kleine Zeitreise – zurück zu den Anfängen dieses riesigen Monuments, das seit 150 Jahren über die Wälder Lippes wacht. Marisa, ich muss sagen, jedes Mal, wenn ich am Hermannsdenkmal stehe, frage ich mich: Wer hatte eigentlich die verrückte Idee, so ein Monument mitten in den Teutoburger Wald zu setzen?
Marisa
Ja, das ist wirklich eine Geschichte für sich. Hinter dem „Hermann“ steht Joseph Ernst von Bandel – ein Künstler, der, ich sag mal, fast schon besessen war von seiner Vision. 1838 wurde der Grundstein gelegt, aber der Weg bis zur Einweihung 1875 war alles andere als gerade. Politische Umbrüche, die Revolution von 1848, dann immer wieder Geldprobleme... Das Projekt stand mehr als einmal auf der Kippe.
Marius
Und trotzdem hat Bandel nicht aufgegeben. Ich finde das wirklich beeindruckend. Er hat auf ein Honorar verzichtet, hat jahrelang in einem Bauwagen direkt am Denkmal gelebt – also, das ist schon... ja, fast ein bisschen verrückt, oder? Aber auch total inspirierend. Ich meine, wie viele Menschen würden heute so für eine Idee brennen?
Marisa
Absolut. Und es war ja nicht nur der Verzicht auf Geld. Bandel hat sich auch Spott und Kritik ausgesetzt. Viele haben ihn belächelt, weil das Projekt so lange gedauert hat. Aber am Ende, bei der Einweihung 1875, war er der Held des Tages – auch wenn er den Ruhm nur noch kurz genießen konnte. Er ist ja schon ein Jahr später gestorben.
Marius
Das ist so tragisch, oder? Jahrzehntelang kämpft er für dieses eine Ziel, und dann bleibt ihm kaum Zeit, das Ergebnis zu feiern. Ich muss da immer an diese Szene denken, wie er im Bauwagen sitzt, draußen Regen, drinnen kalt, und trotzdem arbeitet er weiter. Für mich ist das ein Sinnbild für Beharrlichkeit. Und ich frage mich manchmal, ob wir heute noch so idealistisch wären. Oder ob wir nach dem dritten Rückschlag einfach sagen würden: „Ach, lass gut sein.“
Marisa
Das ist eine gute Frage. Vielleicht brauchen wir manchmal wieder ein bisschen mehr von diesem Bandel-Geist – auch wenn’s unbequem wird. Und ich finde, das Hermannsdenkmal steht nicht nur für Geschichte, sondern auch für diese Art von Durchhaltevermögen.
Chapter 2
Vom Cheruskerfürsten zum Nationalmythos: Die Figur des Arminius im Wandel
Marisa
Aber jetzt lass uns mal über die Figur reden, die da oben auf der Grotenburg steht: Arminius, oder wie wir ihn heute meistens nennen, „Hermann“. Wer war das eigentlich? Die meisten kennen ja nur die Geschichte von der Varusschlacht, aber das Bild, das wir von ihm haben, ist eigentlich ein ziemliches Konstrukt.
Marius
Ja, total. Also, historisch gesehen war Arminius ein Fürst der Cherusker, der im Jahr 9 nach Christus die Römer in einer der größten Niederlagen ihrer Geschichte geschlagen hat. Aber das, was wir über ihn wissen, stammt fast nur aus römischen Quellen – vor allem von Tacitus. Und der hat Germanien nie selbst gesehen, sondern eher so ein... naja, römisches Wunschbild gezeichnet. Tapfer, wild, aber auch ein bisschen träge und trinkfreudig, wenn ich das richtig im Kopf hab.
Marisa
Genau. Und das Spannende ist ja, wie sich das Bild von Arminius im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Im 16. Jahrhundert war er plötzlich der Kämpfer gegen Rom, im 19. Jahrhundert dann das Symbol für deutsche Einheit. Und im 20. Jahrhundert wurde er zur Projektionsfläche für ganz unterschiedliche politische Ideen. Das zeigt auch die Dauerausstellung „Mythos Varusschlacht“ im Lippischen Landesmuseum ziemlich eindrucksvoll.
Marius
Stimmt, und ich finde, das macht die Ausstellung so besonders. Man sieht da nicht nur alte Fundstücke, sondern bekommt auch mit, wie flexibel so ein Mythos sein kann. Ich erinnere mich, wie ich das erste Mal vor diesen VR-Stationen stand – plötzlich ist der „Hermann“ nicht mehr nur diese riesige Statue, sondern man kann sich richtig in die Zeit zurückversetzen lassen. Das ist schon cool gemacht.
Marisa
Ja, und das ist auch das Ziel: Die Ausstellung will zeigen, dass es „die Germanen“ so gar nicht gab, sondern viele verschiedene Stämme. Und dass Arminius eben nicht immer der Nationalheld war, als der er heute oft dargestellt wird. Mit VR und Originalfunden bekommt man ein viel differenzierteres Bild – und merkt, wie sehr Geschichte eigentlich immer im Wandel ist.
Marius
Das ist ja auch das Spannende an Denkmälern: Sie erzählen nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch davon, wie wir uns erinnern wollen. Und das Hermannsdenkmal ist da ein Paradebeispiel.
Chapter 3
Denk:Mal! – Neue Perspektiven auf Erinnerungskultur und Denkmäler
Marius
Und damit sind wir eigentlich schon bei der großen Jubiläumsausstellung, die ab November 2025 im Lippischen Landesmuseum startet: „Denk:Mal! – 150 Jahre Hermannsdenkmal“. Marisa, du hast ja schon einen Blick hinter die Kulissen werfen dürfen. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Marisa
Also, ich finde, das Konzept ist wirklich spannend. Es gibt elf Themenstationen, die ganz unterschiedliche Aspekte beleuchten: von der Entstehung des Denkmals über internationale Beispiele wie Jeanne d’Arc oder Karl Marx bis hin zu aktuellen Debatten um Denkmalschutz und Umdeutung. Und das alles mit interaktiven Medien, VR und sogar Hologrammen. Man kann also nicht nur gucken, sondern auch richtig mitmachen.
Marius
Das ist echt ein Schritt weg vom klassischen Museum, oder? Ich hab zum Beispiel gesehen, dass Kinder an einer VR-Station ihr eigenes Denkmal entwerfen können. Da entstehen dann plötzlich ganz verrückte Ideen – ein Denkmal für den Lieblingshund, für die beste Freundin oder für den Umweltschutz. Und dabei lernen sie spielerisch, was Denkmalschutz eigentlich bedeutet und wie sich die Bedeutung von Monumenten verändern kann.
Marisa
Genau das ist der Punkt: Die Ausstellung will zeigen, dass Denkmäler nicht in Stein gemeißelt sind – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie können kritisiert, umgedeutet oder sogar gestürzt werden. Und mit moderner Technik wie Hologrammen kann man diese Prozesse heute ganz anders erfahrbar machen. Es geht darum, zu fragen: Wie wollen wir erinnern? Und was bedeutet ein Denkmal eigentlich für uns heute?
Marius
Ich glaube, das Hermannsdenkmal bleibt auch nach 150 Jahren spannend, weil es immer wieder neue Fragen aufwirft. Nicht nur über Geschichte, sondern auch über uns selbst. Und ich bin echt gespannt, wie die Ausstellung das alles zusammenbringt.
Marisa
Ich auch. Und ich hoffe, dass viele Leute – egal ob jung oder alt – Lust bekommen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Denn Erinnerungskultur geht uns alle an.
Marius
Damit sind wir am Ende unserer Folge. Danke, Marisa, für das Gespräch – und danke an euch fürs Zuhören. Wir freuen uns schon auf die nächste Episode, wenn wir noch tiefer in die Geschichte und Geschichten rund um das Hermannsdenkmal eintauchen.
Marisa
Danke dir, Marius. Und euch allen: Bis zum nächsten Mal bei „Denk:Mal!“. Macht’s gut!
